Cannabis Legalisierung Deutschland 1.0

Kabinett beschließt Cannabis Legalisierung, Bundesregierung Deutschland

Die geplante Cannabis Legalisierung durch die Ampelregierung hat in der Branche hohe Erwartungen geweckt. Doch wie sieht die Realität aus? Wir betrachten die abgespeckte Version der Gesetzesvorlage und die potenziellen Auswirkungen auf den Markt. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, wie Deutschland auf „sehr deutsche Art“ mit der Herausforderung der Cannabis-Legalisierung umgeht und welche Rolle die Schweiz in diesem Zusammenhang spielt.

 

Viele Cannabis Enthusiasten finden, dass der Vorstoß der Regierung nicht weit genug geht. Jakob und Benedikt Sons, Cannabis-Unternehmer aus der Nähe von Frankfurt, hatten Anfang des letzten Jahres ehrgeizige Pläne: Mit der geplanten Cannabis Legalisierung der Ampelregierung (siehe Blogbeitrag Cannabis Reform Deutschland) sollte ihr Unternehmen Cansativa zur zentralen deutschen Plattform für den Handel mit Cannabis-Produkten werden. Doch gut eineinhalb Jahre später sind von diesen Plänen nur wenige Überreste geblieben.

Cannabis Legalisierung Ernüchterung:

„Wir sind ernüchtert“, sagt Jakob Sons. „Wir müssen erkennen, dass der Fokus auf absehbare Zeit erst einmal ein anderer ist. Als Branche hätten wir uns mehr Engagement und Selbstbewusstsein gewünscht.“ Was Sons meint: Ein freier Markt für Cannabis zu Genusszwecken, wie er vielen Unternehmern und Konsumenten vorgeschwebt hatte, wird es in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben.

Zwar haben die Ampelparteien in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie die Cannabis Legalisierung sprich „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einführen wollen. Doch das am Mittwoch 16.08.2023 während der Pressekonferenz (Youtube) vorgestellte Gesetz, das Ende des Jahres in Kraft treten soll, ist eine deutlich abgespeckte Version der ursprünglichen Pläne.

Zwar soll der Besitz von 25 Gramm THC-haltigem Cannabis im Eigenbedarf für Erwachsene straffrei werden. Doch der Anbau und die Abgabe der Substanz sollen nur über sogenannte Cannabis-Klubs möglich sein, die nicht gewinnorientiert sind und pro Monat 50 Gramm an ihre Mitglieder abgeben dürfen. Eine Mitgliedschaft in mehreren solchen Vereinen ist verboten. Zusätzlich sollen Konsumenten drei Pflanzen für den Eigenbedarf anbauen dürfen.

„Wir sehen wenig unternehmerisches Potenzial“, erklärt Benedikt Sons enttäuscht. „Der Begriff ‚Internationales Recht‘ bremst“. Doch mit einer umfassenden Legalisierung würde Deutschland gegen internationales Recht verstoßen. Das im Jahr 1961 geschlossene Einheitsabkommen der Uno-Staaten über Betäubungsmittel verbietet den Handel, also auch den Import und den Export von Cannabis zu Genusszwecken. Auch mit EU-Recht wäre der Handel nicht vereinbar.

„Es war von Anfang an klar, dass die Bundesregierung einen Plan B braucht“, sagt Niklas Kouparanis. „Und bei diesem sind wir jetzt angekommen.“ Kouparanis ist Mitgründer der Bloomwell Group, eines Frankfurter Startups für medizinisches Cannabis. Er sieht die Entwicklung durchaus positiv: „Der Stein kommt ins Rollen. Cannabis wird entkriminalisiert, und das ist wichtig.“

Für Kouparanis und sein Unternehmen bringt vor allem eine geplante Änderung große Vorteile mit sich: die Reklassifizierung von medizinischem Cannabis. Wenn die Droge zu Behandlungszwecken eingesetzt wird, fiel sie bisher unter das Betäubungsmittelgesetz und durfte nur unter strengen Auflagen von Ärzten verschrieben werden. Diese Auflagen fallen künftig weg. Cannabis darf damit unter dem neuen Gesetz CanG auf einem gewöhnlichen Rezept verschrieben werden, so wie zum Beispiel Antibiotika.

„Für Patienten, Ärzte, Apotheken und Unternehmer ist das eine große Erleichterung“, sagt Kouparanis. „Auf unserer Plattform müssen wir derzeit Zehntausende Patienten abweisen, weil eine Behandlung mit Cannabis für sie nicht infrage kommt. Diese Hürde wird deutlich niedriger.“

Im relativ jungen Markt für medizinisches Cannabis herrschte in den vergangenen Jahren bereits Goldgräberstimmung. Seit 2017 dürfen Ärzte ihren Patienten zur Behandlung Cannabis verschreiben, 2020 gab es bereits 320.000 Verordnungen im Wert von 150 Millionen Euro. Über hundert Großhändler sind inzwischen in dem Markt aktiv. Benedikt und Jakob Sons wollen ihre Bemühungen nun auf den medizinischen Bereich konzentrieren, in dem sie bereits aktiv sind.

Cannabis Legalisierung Zukunft:

„Glauben, dass der Markt wachsen wird“ „Wir glauben, dass der Markt mit der neuen Regelung in den nächsten beiden Jahren um den Faktor drei und in den nächsten fünf Jahren vielleicht sogar um den Faktor zehn wachsen wird“, prognostiziert Benedikt Sons.

Die Verfügbarkeit von Cannabis auf Rezept könnte künftig tatsächlich überraschend einfach sein. David Henn, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Cannamedical, spricht deshalb von einer „Quasilegalisierung“. „Sie müssen Ihren Arzt für eine Verschreibung voraussichtlich nicht einmal mehr persönlich sehen. Das Rezept kann auch über eine telemedizinische Beratung ausgestellt werden, und das Produkt kann man anschließend im Internet bestellen.“

Benedikt Sons (Cansativa-Mitgründer), Jakob Sons (Cansativa-Mitgründer), David Henn (Geschäftsführer von Cannamedical), Niklas Kouparanis (Co-Gründer der Bloomwell Group) sind zuversichtlich hinsichtlich dieser Entwicklung. Henn wagt daher eine aus Unternehmersicht optimistische Prognose: „Ich glaube, dass in den nächsten 24 Monaten rund 15 Prozent derer, die derzeit illegal Cannabis konsumieren, auf medizinische Produkte umsteigen könnten. Die Preise sind oft niedriger als auf dem Schwarzmarkt. Heute werden pro Jahr 10 Tonnen medizinisches Cannabis verkauft, in zwei Jahren könnten es schon 70 Tonnen sein.“

Henn sieht darin eine indirekte Lösung der Cannabis Legalisierung durch die Regierung, und zwar auf eine „typisch deutsche Art“: „Alles, bei dem man sicher ist, dass es umsetzbar ist, wurde in die erste Säule des Gesetzes aufgenommen: Reklassifizierung, Eigenanbau, Cannabis Klubs. Diese Änderungen werden zweifellos im Bundestag beschlossen werden.“

Im zweiten Teil des Gesetzes werden Pläne der Regierung festgehalten, deren Durchführung alles andere als sicher ist: In ausgewählten Modellregionen sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren wissenschaftliche Projekte zur Erprobung des kommerziellen Cannabis-Vertriebs durchgeführt werden. Der genaue Startzeitpunkt, Ablauf und Ergebnis dieser Projekte sind jedoch unklar. Diese Unsicherheit sorgt unter den Cannabis-Unternehmern für Skepsis. „Es ist vollkommen offen, wann diese Projekte beginnen können – und 2025 stehen wieder Wahlen an“, gibt Niklas Kouparanis zu bedenken. In der Opposition und in Bundesländern wie Bayern stößt das Vorhaben auf starken Widerstand. Dennoch würden diese Projekte, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, für die Cannabis Unternehmer von Interesse sein.

Cannabis Legalisierung Parallelen:

Jakob Sons glaubt, dass die Schweiz, wo solche Projekte bereits begonnen haben, für Deutschland ein Vorbild sein könnte. „Gemeinsam könnten die beiden Länder in Europa eine Vorreiterrolle einnehmen – und auch darauf hinwirken, dass sich die internationale Gesetzgebung ändert.“ Die Sons-Brüder können nachvollziehen, dass unter denjenigen, die von der Ampelkoalition eine umfassende Legalisierung erwartet haben, Enttäuschung herrscht. „Ich glaube, wir hatten alle höhere Erwartungen. Die neue Regierung ist zu Beginn vielleicht zu selbstbewusst aufgetreten.“

Die Schweiz hat bereits seit 2016 einen Markt für CBD-Cannabis etabliert, das nicht süchtig macht und dem eine entspannende Wirkung zugeschrieben wird. Im Jahr 2021 haben die relevanten Kommissionen im National- und Ständerat zugestimmt, einen regulierten Markt für den Anbau, die Produktion, den Handel und den Konsum von THC-haltigem Cannabis zu schaffen. Dazu werden Pilotversuche in Städten wie Basel, Bern oder Zürich durchgeführt, wobei das Projekt in Basel Anfang des Jahres begonnen hat.

Quelle: https://www.nzz.ch/wirtschaft/cannabis-branche-eine-legalisierung-durch-die-hintertuer-ld.1751660

 

weitere interessante und Links: 

Erfahren Sie mehr über „Lange Nachweisbarkeit für kurzen Rausch“ unter https://www.bussgeldkatalog.org/thc/ 

 

1 Kommentar zu „Cannabis Legalisierung Deutschland 1.0“

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